Morphony

Aufführungen

Morphony wird im August 2018 zur ICMC (International Computer Music Conference) in Daegu, Südkorea, uraufgeführt.

Morphony basiert zum großen Teil auf den gleichen Strukturen und Algorithmen wie mein Stück Eutropia für Klavier, Perkussion, Elektronik und interaktive Projektion.


Bild- und Klangbeispiele

Zusammenschnitt von der Uraufführung:



Anmerkungen zum Stück

1952, zwei Jahre vor seinem frühen Tod beschäftigte sich der britische Mathematiker und Pionier der Informatik Alan Turing auch mit Problemen der Theoretischen Biologie und beschrieb in „The Chemical Basis of Morphogenesis“ wie sich in einer ursprünglich homogenen Mischung verschiedener Substanzen unter bestimmten Voraussetzungen spontane Musterbildungsprozesse abspielen können, die zu Streifen, Flecken, Spiralen, Wellen und anderen Formen führen. Turing sah darin eine modellhafte Erklärung für das Zustandekommen der bekannten Muster auf den Fellen verschiedener Tiere oder für Formenbildung bei Pflanzen. Etwa zur selben Zeit entdeckte der russische Biochemiker Boris Beloussow, ohne Turings Arbeit zu kennen, zufällig eine chemische Oszillation, die sich in periodischen Farbwechseln eines homogenen Gemischs mehrerer Stoffe äußerte. Beloussow konnte seine Entdeckung zunächst nicht veröffentlichen, da die Fachwelt damals solche chemischen Reaktionen für unmöglich hielt. Erst mehr als 10 Jahre später wiederholte und erweiterte der Physiker Anatoli Schabotinski die Versuche von Beloussow. Diese Untersuchungen stießen inzwischen auf mehr Interesse und so fanden die sogenannten Reaktions-Diffusions-Systeme schließlich Eingang in interdisziplinäre Forschungen zur Selbstorganisation in Nichtgleichgewichtssystemen, bei denen Strukturbildungen in unbelebter wie belebter Natur systemtheoretisch untersucht werden.

Anmerkungen zur Realisation

In diesem Stück verwende ich die Softwares SuperCollider und openFrameworks für die Klang- und Bildsynthese in Echtzeit sowie für deren Organisation durch ein interaktive Reaktions-Diffusions-System (RD). Die Parameter des RD-Systems, wie z.B. die Konzentration drei verschiedener Substanzen oder eines Katalysators, die Reaktionsgeschwindigkeit usw., werden im Verlauf des Stück auf unterschiedliche Weise gesteuert: manuell, automatisch oder durch Eigenschaften des Klangs. Andererseits wird auch die Klangerzeugung manuell oder durch Eigenschaftes des generierten Bildes beeinflusst. Es gibt alle Arten von Interaktion zwischen Steuerung, Audio und Video - einschließlich audiovisuellem Feedback - die zusammen ein Meta-RD-System unter Einbeziehung des Aufführenden bilden.